Nasenzentrum Marburg (NZM) | Zentrum für Diagnostik und Therapie von Nasen- und Nasennebenhöhlenerkrankungen

Chronische Entzündung der Nasennebenhöhlen

Bei der chronischen Nasennebenhöhlenentzündung (chronische Rhinosinusitis = CRS) sollten mindestens zwei der folgenden Symptome über mehr als 12 Wochen vorliegen: 

  • Nasenatmungsbehinderung, 

  • Vermehrte nasale Sekretion (vordere oder hintere Nasensekretion), 

  • +/- Gesichtsdruck- oder Schmerz, 

  • +/- Geruchsminderung. 

  • gleichzeitig ein pathologischer Endoskopiebefund 

    endoskopische Zeichen wie Nasenpolypen oder gelbliche Sekretion im mittleren Nasengang oder ödematöse Obstruktionen im mittleren Nasengang 

und/oder 

  • CT Veränderungen mit Schleimhautschwellungen zumindest im ostiomeatalen Komplex oder den Nasennebenhöhlen. 

CRS Polypen

CRS Polypen

Unter dem Begriff CRS verstecken sich mehrere, voneinander zu trennende Erkrankungsformen, die zum Teil mit Asthma oder einer Schmerzmittel-Unverträglichkeit assoziiert sind.

Derzeit werden zwei Gruppen unterschieden, CRS mit und ohne Nasenpolypen, die sich nicht nur endoskopisch, sondern auch feingeweblich und im Profil der vorherrschenden Entzündungsmuster unterscheiden.

Der diffusen CRS des Erwachsenen liegen wahrscheinlich im Einzelnen noch nicht ausreichend definierte, individuelle immunologische Fehlreaktionen der Schleimhaut zugrunde. Diese werden möglicherweise induziert durch banale Mikroorganismen, wie z. B. Staphylokokken, Superantigene oder Pilze. 

Früher wurden Veränderungen der Anatomie mit sekundärer Behinderung von Ventilation und drainageabhängiger Nebenhöhlen eine große Bedeutung zugewiesen, diese Faktoren spielen zumindest für die diffuse CRS keine wesentliche Rolle mehr. Bei Kindern müssen vergrößerte Adenoide oder genetische Veränderungen beachtet werden. 

Die CRS ist häufiger mit anderen Erkrankungen oder Veränderungen verbunden wie

  • Allergie der oberen Atemwege 

  • Bronchialasthma 

  • Unverträglichkeit für Kopfschmerzmittel (ASS-Intoleranz, Aspirinunverträglichkeit, Analgetikaintoleranz) 

  • Mikroanatomische Veränderungen im Inneren der Nase z. B. ausgeprägte Knickbildung der Nasenscheidewand oder Engstellen im Bereich von Stirnhöhlenzugängen, auch nach Voroperationen oder Unfällen, aus denen sich chronische Vereiterungen einzelner Nasennebenhöhlen bilden 

  • Einseitige Kieferhöhlenentzündungen, die auch auf Zahnerkrankungen beruhen können 

  • Bestimmte angeborene Erkrankungen wie Mukoviszidose (zystische Fibrose) oder primäre Zilienfunktionsstörungen führen zu einer chronischen Rhinosinusitis, die typischerweise bereits in der Kindheit beginnt. 

  • Pilzerkrankungen, die in speziellen Fällen für Nebenhöhlenerkrankungen verantwortlich zu machen sind 

  • Immunschwäche (HIV - AIDS, Antikörpermangel) 

  • Mangelzuständen an essentiellen Mineralstoffen oder Vitaminen (Eisen, Vitamin D).

Die Therapie erfolgt zunächst und häufig dauerhaft medikamentös. Die Basistherapie besteht in der Gabe topischer nasaler Steroide und in Nasenspülungen, ggf. werden zusätzlich Antibiotika, systemische Steroide oder andere Medikamente eingesetzt. 
Bei nicht ausreichend erfolgreicher medikamentöser Therapie wird häufig eine Operation der Nasennebenhöhlen durchgeführt. Bei der Nachbehandlung wird als sehr wichtig Maßnahme die regelmäßige Nasenspülung empfohlen, sowohl postoperativ als auch dauerhaft. Die Nasenspülung kann direkt am ersten postoperativen Tag begonnen werden und wird in der Häufigkeit von 4-6x tgl. bis 1-2x tgl. mit der Zeit reduziert. 

© Prof. Dr. med. Rainer Weber